Lois Huber
 

Objekt des Monats Mai 2012 Heimatmuseum Wasserburg

Lois Huber: Blick auf Wasserburg, Bleistift, Konturstift, Tempera auf Pappe, 2007

Blick auf Wasserburg

 Im Monat Mai stellt das Museum Wasserburg ein Spätwerk des Evenhausener Malers Lois Huber vor. Es zeigt Wasserburg von der schönen Aussicht aus, wie er es in seinem letzten Sommer wahrnahm.

Lois Huber gehört zu den weniger bekannten Künstlern des Chiemgaus. Er kam 1923 auf dem elterlichen Hof zur Welt, begann nach der Volksschule eine Schreinerlehre und wurde mit 18 Jahren zum Kriegsdienst eingezogen, bevor es ihm 1947 gelang, gegen den Widerstand seines Vaters eine Ausbildung beim renommierten Maler Karl Blocherer zu beginnen. Hier entdeckte er in der Auseinandersetzung mit den französischen Impressionisten und den deutschen Expressionisten die Grundlage für seinen eigenen Malstil.

Huber malte vor allem Landschaften und Siedlungen des Chiemgaus und porträtierte Menschen, die ihm begegneten. Er griff aber auch Motive auf, die er auf seinen zahlreichen Reisen vor allem aus südlichen Ländern mitbrachte. Die Auseinandersetzung mit dem Motiv war nie sklavisch realistisch, sondern immer durch die Interpretation des Augenblicks getragen. Sein kraftvoller sicherer Duktus mit dem er Konturen und Flächen gestaltet und seine Fähigkeit Bewegung durch Lichtreflexion und Farbspiel sichtbar zu machen vermitteln dem Betrachter den Blick auf eine Welt, die für den Augenblick in sich ruht und gleichzeitig angefüllt ist mit Leben. Er zeigt in seinen Arbeiten Ruhepunkte, Orte der Besinnung, die für einen Augenblick in sich geschlossen sind, aber Teil eines Größeren bleiben. Huber wollte dabei den Bezug zum realen Motiv, um den Boden nicht unter den Füßen zu verlieren, um einen Bezugspunkt zu haben, in einer Welt, die ihm selbst zerrissen erschien. Diese Auffassung von Kunst spiegelt sich auch in seinen Portraits wieder. Sie zeigen die Menschen vor dem Hintergrund ihres Charakters und ihres Lebens in einem Ausdruck des Augenblicks.

Malen war für ihn vor allem auch Ausdruck seines Selbst und seiner Selbstvergewisserung. Die Erfahrung des künstlerischen Schaffensprozess stand für ihn im Mittelpunkt. Auch wenn er in jungen Jahren sich in Künstlervereinigungen engagierte und Ausstellungen organisierte, so zog er sich doch bald aus der Öffentlichkeit zurück. Er arbeitete als Schreiner, Nebenerwerbslandwirt und später als Grafiker. Er vermarktete seine Kunst nicht und präsentierte sie kaum mehr öffentlich. Als Künstler war er dennoch hoch produktiv und engagiert, auch im Diskurs.

Als er im Alter von 60 Jahren an Parkinson erkrankte wurde die Kunst für ihn zur Therapie. Unter dem Einfluss der Krankheit änderte sich sein Malstil und künstlerischer Duktus. Die vorher festgefügten Flächen und Konturen lösten sich auf, gerieten in Bewegung und wurden durchlässig. Die Welt, die er früher für sich im Augenblick festhielt, wurde nun auch in seinen Bildern unruhig und zerbrechlich. Seine letzten Werke haben oft den Charakter von Kollagen; sie zeigen nicht mehr die innehaltende Welt, sondern die Welt in ihrer Disparität, die zunehmend auch abstrakter wird. Auch wenn sein Malstil durch seine Krankheit geprägt war, so verleiht auch zu diesem Zeitpunkt der Künstler seinem Selbst und seinem Empfinden Ausdruck.

Aus seiner letzten Schaffensperiode stammt auch das ausgewählte Gemälde „Blick auf Wasserburg“. Innfront, Innbrücke und Teile der Dachlandschaft werden durch leichte Bleistiftskizzen und feine Linien eines roten Konturstift akzentuiert, die über die nördliche Innleite auslaufen. Das Stadtbild wird von den beiden großen Kirchen der Altstadt dominiert, deren Türme verwischt sind. Die Farben des Sommers, das Grün der Vegetation und das Gelb der Sommerhitze vermischen sich mit dem Blau des Inns, spiegeln sich im Himmel über der Stadt und tanzen auf den Fassaden. Der Himmel rauscht über das Tal hinweg. Die Innstadt scheint vor Lebendigkeit zu vibrieren.

Das Bild ist noch den Sommer über im Rahmen der Ausstellung „Wasserburg – früher und heute“ im Bilderladen Evenhausen zu sehen. Dort wird von Mathilde Fürstenberger und ihren beiden Mitstreiterinnen das reiche Erbe des Malers verwaltet. Ab September wechselt es dann in den Besitz der Stadt Wasserburg a. Inn.